Betriebliches Gesundheitsmanagement muss zu den Unternehmenszielen passen

"Ergebnisse der Trendstudie #whatsnext vom Mai 2017 und der TK-Bewegungsstudie 2016. "In fast vier von 10 Betrieben wird (fast) nichts umgesetzt"

 

Meine Erfahrung ist, dass BGM meist als zusätzlicher Aufwand verstanden wird. Dabei kann das Unternehmen mit einem BGM deutlich Personalkosten senken und die gesamte Organisation zukunftsfähig aufstellen. Die fehlende Bereitschaft zur Umstetzung kommt zum großen Teil daher, dass die öffentlichen Institutionen (die den Auftrag haben, Unternehmen bei der Einführung und Umsetzung von BGM im Unternehmen zu beraten und zu unterstützen und Angebote zur Betrieblichen Gesundheitsförderung bereit zu stellen), wie Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, Rentenversicherung und nicht zuletzt der Gesetzgeber jeweils andere Ziele für das BGM verfolgen, als das Unternehmen und die Mitarbeiter.

 

Welche vorrangigen Ziele werden verfolgt?

 

Gesetzgeber: Gesunderhaltung der Bevölkerung, volkswirtschaftliche Kosten für Krankheit und Arbeitsunfähigkeit senken

Gesetzliche Krankenkassen: Kosten für die Behandlung von Erkrankungen senken, Kosten für Fehlzeiten im Betrieb senken

Rentenversicherung: Kosten für Frühverrentung senken

Berufsgenossenschaft: Kosten durch Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten senken

Unternehmen: Personalkosten optimieren, Leistungsfähigkeit des Unternehmens erhalten, Attraktivität des Unternehmens für Nachwuchs und Fachkräfte entwickeln, Mitarbeiter binden, Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichern

Mitarbeiter: Angenehmes Betriebsklima, motivierende und gerechte Führung, angemessene Entlohnung, Vereinbarkeit Beruf und Privatleben, berufliche und persönliche Förderung, Mitverantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten

 

Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement muss aus meiner Sicht im Unternehmen von oben nach unten gedacht, geplant und umgesetzt werden. Unternehmens- und Mitarbeiterziele stehen an erster Stelle, die Ziele der öffentlichen Institutionen folgen darauf automatisch. Die öffentlichen Institutionen werden bei der Umsetzung eines BGM dringend gebraucht, haben den Auftrag und Budgets als Leistungserbringer für Betriebliche Gesundheitsförderung. Die Beratung für Unternehmen sollte aber nicht zu ihren Aufgaben gehören. Häufig wurden in der Vergangenheit Konzepte erstellt, die zwar dem Ziel der Institutionen gerecht werden, aber nur bedingt den Unternehmenszielen. Es fehlt bei diesen Konzepten meist das Einbeziehen der Unternehmens-Gesamtorganisation, die Nachhaltigkeit und damit der belegbare Nutzen. Und viel zu oft bleibt es bei Einzelmaßnahmen, die ebenfalls in keiner Richtung nachhaltig wirken.

 

Im Gespräch hat ein Unternehmer kürzlich auf den Punkt gebracht, was viele denken: "Wissen Sie, wenn wir Unternehmer eine Aufforderung vom Gesetzgeber oder öffentlichen Intitutionen bekommen, dann bedeutet das für uns normalerweise, mehr Aufwand, mehr Bürokratie und mehr Kosten." In dem Fall ist es aber genau umgekehrt. Das Instrument BGM ist wirklich hilfreich. Vorausgesetzt es wird als Managementinstrument zur Gestaltung einer gesunden Organisation verstanden und hat die Unternehmens- und Mitarbeiterziele als oberste Priorität.

 

 

Erstellt von: Judith Krauss