HR-Management in der Restrukturierung oder Sanierung von Unternehmen

 

Eine Sanierung bedeutet immer harte Einschnitte und die Notwendigkeit zu grundlegenden Veränderungen. Wenn ein Unternehmen den Turnaround schaffen und wieder zurück in die Erfolgsspur kommen soll, geht kein Weg an radikalen Sparmaßnahmen vorbei. Diese betreffen auch die Personalkosten, was im Regelfall ohne Personalabbau nicht möglich ist. Vorgelagert, als Sofortmaßnahme, gibt es soweit möglich Absprachen zu anteiligem Gehaltsverzicht. Wenn solch schmerzliche Einschnitte nicht zu vermeiden sind, ist ganz besonders viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung im Umgang mit Menschen gefragt. Soll nicht die gesamte Belegschaft gekündigt werden, ist es unerlässlich alle bestmöglich und laufend über die Planungen und Maßnahmen, die getroffen werden müssen, zu informieren, um eine Blockadehaltung zu verhindern. Vor allem geht es aber auch darum, die Leistungsträger auf Schlüsselpositionen nicht zu verlieren. Es besteht die Gefahr, dass diese sich nach einem sicheren Arbeitsplatz umschauen und selbst kündigen.  Nur mit motivierten und engagierten Mitarbeitern lässt sich eine Mammutaufgabe wie die Unternehmenssanierung erfolgreich bewältigen.

 

 

Eine Restrukturierung sollten Unternehmen in regelmäßigen Abständen durchführen. Diese muss nicht zwingend eine prekäre Geschäftssituation als Ursache haben. Ganz im Gegenteil. In den vergangenen zwei Jahren waren die Umstellung auf digitale Geschäftsmodelle und veränderte Arbeitsprozesse ohne eine Restrukturierung aller Unternehmensbereiche gar nicht denkbar. Im Restrukturierungsprozess, generell in Change-Prozessen, ist maximale Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Mitarbeitenden gefordert, wenn die Restrukturierung schnell umgesetzt werden soll.

 

 

Für beide Fälle gilt: Veränderungen schaffen erst einmal große Verunsicherung und das Gegenteil von Flexibilität. Es ist zutiefst menschlich, dass wir uns mit Veränderungen schwer tun. Wir sind „Gewohnheitstiere“, brauchen Sicherheit und Beständigkeit. Sobald unsere Welt, wie wir sie kennen, in Bewegung gerät, entsteht der Reflex, am Gewohnten festhalten zu wollen, selbst wenn längst klar ist, dass das Gewohnte nicht zukunftsfähig und darum auch nicht mehr erfolgreich ist. Veränderungen in Unternehmen gelingen also immer nur unter Mitnahme und Beteiligung der Belegschaft. Wenn selbst mitverantwortet und mitgestaltet werden kann, fördert dies die Leistungsbereitschaft und die Loyalität zum Unternehmen enorm. Zusätzlich sinkt die Gefahr von Widerständen und das typische Verhalten, aufgrund von Verunsicherung alles zu kritisieren und in Frage zu stellen, was sich verändern muss.

 

 

HR-Management in der Restrukturierung und Sanierung erfordert besondere Kompetenzen und Ressourcen für Führung, Information, Kommunikation und Moderation.  Führungskräfte und interne Personalfachkräfte sind mit den Aufgaben zumeist zeitlich völlig überfordert. Sie können nur teilweise abdecken, was jetzt erforderlich ist. Einerseits kennen sie die Belegschaft gut, auf der anderen Seite sind sie selbst von den Veränderungen betroffen und damit häufig ebenfalls in einer von Überforderung geprägten Gesamtverfassung.

 

Das Hinzuziehen externer HR-Fachkräfte mit Erfahrung in derartigen Sondersituationen ist unbedingt zu empfehlen.

 

Autorin: Judith Krauss, Personalberaterin, Leiterin Steinbeis-Beratungszentrum Gesunde Organisationen

Spezialgebiete: Recruiting, Fachkräftesicherung, Koordination HR-Projekte in Restrukturierung und Sanierung für SIMACON Engineers GmbH

Mitglied der Steinbeis Consulting Group Personal